| Petra Morsbach | |||||||
| "Geschichte mit Pferden" | Roman, 2001 | ||||||
| Textprobe |
Alles ist wie vorher. Gesine beim Großen Wechsel an der Kasse, wie unter Drogen. Sie stopft sich das Geld unter die Weste, sie drängt den Gästen Kaffee und Kuchen auf, verteilt Arbeit an Mädchen, die eigentlich zu Besuch da sind, bestraft den neuen Bäcker, der am ersten Tag die Brötchen vergessen hat, damit, daß sie ab sofort von der Konkurrenz liefern läßt. Der alte Bäcker kam sogar extra nach Erlhof, um für seinen Nachfolger zu bitten: "Hei harr so veel und hett dat vergeten!", aber sie ließ sich nicht erweichen, jeder Zoll die Chefin, auch als ihr Mann sich einschaltete, blieb sie unerbittlich. Aber ich hatte mit ihr einen schönen Zusammenstoß. Sie macht
also wieder Kasse, und ich habe ein ordentliches Trinkgeld, das ein Gast
mir gegeben hatte, durch vier geteilt und in vier Briefumschläge
gesteckt, die ich zuklebte, beschriftete und in der Küche auf ein
Bord stellte. Je mehr sie aufblüht, desto mickriger wird er. Wenn er mittags alleine
ißt (sie muß oft einkaufen), bekommt er kaum seinen Teller
leer. "Nicht mal den Kuchen hat er geschafft", flüsterte
Inge mir heute erschüttert zu, als er sich in seine Mittagsstunde
schleppte. |
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