| Textprobe 2 |
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Heute erzählt Inge, Crove habe sie
gestern (Sonntag) zu Hause angerufen und "sofort" zu einem Lokal
in der Nähe bestellt. Er sei verzweifelt. Zu Hause dicke Luft, er
wisse nicht mehr weiter, vielleicht habe es wirklich keinen Zweck, seit
sechs Jahren betrüge sie ihn permanent. "Er weiß alles",
sagt Inge. "Weh tun ihm nur die Männergeschichten. Die Geldsachen
will er sowieso nicht wahrhaben!"
Weiter habe er erzählt, daß er testamentarisch abgesichert
sei. Er nannte Summen, schrieb Zahlenkolonnen auf Zettel und malte Pfeile
in verschiedene Richtungen für die Berechnung der verschiedenen Fälle.
Inge hörte zu, obwohl sie nichts verstand; sie ahnte, daß er
einfach mit jemandem sprechen mußte, und wunderte sich auch nicht,
als er den Zettel plötzlich zerknüllte und stöhnte: "Es
wäre zwar lebensgefährlich, aber... die Hoffnung auf Frieden
habe ich aufgegeben."
Inge atmet hart und flach, der Schweiß bricht ihr aus. "Er
tut mir ja so leid!" stößt sie hervor, "Ich halte
es kaum aus!"
Heute (Dienstag) ist sie wieder ganz gelassen. Sie tritt hinter mich
an den Herd, tätschelt mir die Hüfte und flüstert: "Er
ruft manchmal in seiner Mittagsstunde vom Bett aus an und bittet mich,
sie rüberzuschicken!"
"Und sie kommt?"
"Oh, was meinst du, im Galopp! Sie tut das gern!"
Wieder hat der Chef Inge beim Abrechnen betrogen. Inge beschwert sich
bei Gesine. "Wieso," sagt die, "du kennst ihn doch. Dabei
mußt du dir wirklich nichts denken."
Croves brauchen Inge dringend und machen gleichzeitig ihre Späße
mit ihr. Inge hat ein Handy geschenkt bekommen, damit sie jederzeit erreichbar
ist. Sie hat immer mehr Büroarbeit übernommen, zum Beispiel
verschickt sie selbst jetzt die angeforderten Prospekte, weil Gesine das
so oft vergaß. Sie frankiert mit Briefmarken vom Schreibtisch des
Chefs. Jessica empört sich darüber: "Schon wieder beklaust
du uns!" Inge erzählt das beim Frühstück den Eltern
Crove. Beide lächeln.
Zusammen sind sie eine Verbrecherbande, einzeln schütten sie Inge
ihr Herz aus. Widersprüche auch sonst. Gesine zum Beispiel braucht
Inges Bewunderung, andererseits ist Inge ihr lästig. Inge steht immer
zur Verfügung und hört immer zu; aber sie schirmt Gesine auch
vom Publikum ab. Der Weg zu Gesine führt über Inge. Das ärgert
insbesondere die männlichen Gäste, die sich meistens, zumindest
kurz, für Gesine interessieren. Gesine genießt das und sucht
auch die Unterhaltung ("So ein interessanter Mann! Er richtet für
ein amerikanisches Unternehmen Hotels ein! Was der alles weiß!"
- oder: "Seine verstorbene Frau hat ihm 74 Wohnungen vermacht!").
Aber kaum sitzt sie mit ihnen am Tisch, tritt schon Inge dazu und paßt
auf.
Will Inge die Ehe retten oder zerstören oder beides gleichzeitig:
sie zerstören und unschuldig daran sein? Sie leidet und triumphiert
bei jedem Ehekrach, schluchzt gelegentlich in der Küche auf und überliefert
Minuten später voll Genugtuung die abfälligen Bemerkungen Croves
über seine Frau. Was glaubt sie, was sie selbst Crove bedeutet? "Er
hat außer mir niemanden!" erklärt sie andächtig.
Crove erzählt ihr alles über seine neuen Umbaupläne. Über
Gesine aber sagte er: "Sie hört ja nicht zu."
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