Petra Morsbach    
    Gottesdiener Roman, 2004
       
Häufige
Fragen

 

 

< Das klingt konspirativ.
Nein, das mache ich immer bei solcher Recherche. Erstens bin ich wegen meiner schlechten Ohren oft nicht sicher, ob ich genau verstanden habe. Zweitens will ich nicht, daß jemand sich bloßgestellt fühlt. Drittens weiß ich, wie schnell man in einem intensiven Gespräch Dinge sagt, die man nicht gedruckt sehen möchte. Vor allem aber möchte ich möglichst genau verstehen, worum es geht. Ein realistischer Autor sollte seine Deutung der Wirklichkeit anpassen, nicht umgekehrt. Je mehr Wirklichkeit er erfaßt, desto aussagefähiger ist sein Zeugnis.

Gab es Rückzieher?
Nein. Ich habe allerdings auch keine Geschichte verwendet, die die Pfarrer mir erzählt hatten. Sie haben mich vor allem durch ihre Haltung, ihre Wortwahl, ihre Reflexionen inspiriert. Ohne sie hätte ich das Buch nicht schreiben können.

Wie reagierten sie auf das Manuskript?
Überwiegend positiv. Es gab nur minimale Korrekturen und wenige Bedenken.

Wie war das Echo nach der Veröffentlichung?
Ebenfalls überwiegend positiv in Briefen und Mails, übrigens von katholischen wie evangelischen Pfarrern. In persönlichen Gesprächen gelegentlich kritisch.

Was waren die Argumente?
Zum Beispiel: Die Priester seien zu fehlbar. Ich antworte: Wir alle sind fehlbar. Ideale Priester habe ich nicht getroffen, so wenig, wie ich ideale Künstler getroffen habe. Ideale Personen findet man nur in der Trivialliteratur.

Was gibt es noch für Kritik?
Das Buch sei zu wenig optimistisch. Ich denke, das hängt davon ab, was man vom Leben erwartet. Wer erwartet, daß alles gut ausgeht, wird enttäuscht werden. Aber wer das Leben nimmt, wie es kommt, kann ihm viel abgewinnen. Übrigens habe ich öfter gehört, daß „Gottesdiener“ ein ermutigendes, sogar romantisches Buch sei.

War es schwer, sich als Frau in einen katholischen Pfarrer einzufühlen?
Nein, denn es gibt viele Parallelen zu meinem Beruf. Das Spirituelle, Philosophische, die Moral, die Psychologie – die existentiellen Fragen. In einen Soldaten oder einen Börsenmakler könnte ich mich wahrscheinlich nicht hineinversetzen, da fehlen entscheidende Antriebe. >

 
   
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