Petra Morsbach    
    Gottesdiener Roman, 2004
       
Textprobe  

Eine von Benekes Schrullen bestand darin, eine freiwillige Betriebslebensversicherung für seine Arbeiter abzuschließen. Außerdem zahlte er zehn Prozent mehr Lohn als in Bodering üblich, wobei er sich auf einen „bundesüblichen” Satz berief, von dem man in Bodering noch nie gehört hatte. Natürlich hatten die Boderinger Unternehmer ihn zur Rede gestellt, auf ihre gemüthafte Art, indem sie ihn eines Sonntagmorgens zum Stammtisch einluden. Diese Unterredung endete damit, daß der Bauunternehmer Huntstoßer aufsprang und schrie: „Hoits mi fest, sonst daschlog i’n, den roten Hund!”
All das war durchaus geeignet, Isidors Sympathie zu erwecken, und während er nervös seine Forelle zerlegte, bedauerte Isidor sogar, daß er nicht imstande war, eine Unterhaltung zu führen. Er verfluchte seine Unruhe und seine Schwäche. Er schob die Forelle beiseite und rief nach der Rechnung.
Beneke fragte: „Sie sind also der Pfarrer?”
Isidor nickte.
„Freut mich.” Beneke reichte ihm die Hand. „Beneke Fritz.”
„Rattenhuber.”
„Ich habe schon viel Gutes über Sie gehört.”
„Ich habe auch Gutes über Sie g-gehört.”
Nachdem Isidor gezahlt hatte, fragte Beneke: „Bitte nehmen Sie mir die Frage nicht übel, aber... glauben Sie wirklich, daß der Keks ... in Ihren Veranstaltungen... der Leib Christi ist?”

 
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