Petra Morsbach    
    Warum Fräulein Laura freundlich war
Über die Wahrheit des Erzählens

 

 

   

Essay
Piper Verlag

2006

       

Kleine
Diskussion


 

Alle folgenden Fragen wurden mir in Lesungen gestellt.

- Haben Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki Ihnen gegenüber auf „Fräulein Laura“ reagiert?

PM: Nein.

- Enttäuscht Sie das?

PM: Nein, ich hatte es nicht erwartet. Das Buch richtet sich nicht an sie, sondern an die Leser.

- Aber Sie kritisieren doch ihre Bücher.

PM: Nein, das tue ich nicht. In den tieferen Schichten ihrer Erzählungen liegt eine Angst, die auch unsere Angst ist, und nur wenn wir diese Angst freilegen, begreifen wir, was diese Prosa (und uns) bewegt. Es ist ja die besondere Chance der Literatur, über den schonenden Umweg durch andere Seelen uns selbst näherzukommen.

- Näherkommen, lernen, verstehen – muß denn das sein? Geht es wirklich nur darum in der Literatur?

PM: Nein, das ist nur ein bestimmter Aspekt. Aber genau diesen Aspekt untersuche ich: wie Wahrheit sich in der Sprache auch gegen starke seelische Widerstände durchsetzt. Die drei Bücher von Andersch, Reich-Ranicki und Grass habe ich für diese Untersuchung ausgewählt, weil sich ihn ihnen besonders mächtige Ängste besonders auffällig verbergen. Da diese Ängste auch unsere Ängste sind, wurden die Auffälligkeiten bis heute in der allgemeinen Lesart ignoriert, und hier setze ich an. SAPERE AUDE, um es kurz zu sagen.

- Wie hat die Presse reagiert? >

 
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