| Petra Morsbach | |||||
| Der Cembalospieler | Roman, 2008 | ||||
Rezeption 2
Biographie erhältlich bei |
«Freilich geht es in der Kunst selten nur um Kunst». Es
geht um Geld und Macht, Einfluss und Renommee, Neid und Eifersucht, kurz,
um das ganze menschliche Elend. Und hier ist der blinde Musiker [...]
besonders scharfsichtig. Dieser Roman bietet auch ein farbiges Panorama
des Kunstbetriebs, Sparte Alte Musik, aber mit Ausblicken auch in die
bildende Kunst und des sich dort tummelnden Bestiariums. Es sind dies
Leute, die vom Glanz der Kunst profitieren, ohne - wie die Künstler
selbst - das Letzte zu geben, nämlich sich selbst mit Haut und Haaren.
Hier geht es nicht ohne eine Spur Verachtung ab, und wenn man sich die
Typen auf der Zunge zergehen lässt, die Petra Morsbach erfunden
(oder auch nur gefunden) hat, dann teilt man dieses delikate literarische
Gefühl gern. Man erfährt viel über den Musikbetrieb, aber alles, was dabei
herauskommt, ist eine mehr oder weniger fade Satire über einen Musikkritiker. Schmerzhaft scharf wird Morsbachs Beobachten, sobald ihr Blick auf Macht
und Abhängigkeit, Geld und Not, Wahrheit und Lüge in der Kunst
fällt. Sie verlangt vom Leser, die exakte Beschreibung des Empörenden,
den Akt der Empörung und auch noch die Abfuhr, die der Empörung
zuteil wird, zu ertragen: „Du willst die kleine Gerechtigkeit, die jeder
will – Belohnung für sich –, aber das ist keine“, bemerkt einer
von Petra Morsbachs Charakteren an einer Schlüsselstelle. „Schon
die mittlere Gerechtigkeit würdest du nicht wollen, denn dazu gehört
der Konzertmeister von Minsk, der in Wuppertal auf der Straße fiedelt.
Und die ganz große Gerechtigkeit – nun, die müssen wir alle
fürchten. Die würde uns vom Platz fegen“. [...] Es gibt auch
eine moralische Geometrie, die der artistischen inkommensurabel ist.
Ihr Wahres mag Petra Morsbach befähigt haben, so über den Kulturschmock
aller Art zu schreiben, über die Benutzung des Künstlers durch
Kritiker, Manager und akademische Wichtigtuer: so präzise nämlich,
so eindringlich, so schonungslos – und zugleich so ohne jede Spur von
Ressentiment. |
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